fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Wiederkehrende Fragen aus dem Leben eines musizierenden CI-Trägers

Seit Oktober 2016 bin ich offiziell gehörlos und nur dank dem medizintechnischen Wunder Cochlea Implantat dazu in der Lage, an der akustischen Welt teilzunehmen. Gespräche führen, TV-schauen, telefonieren aber auch Musikhören und aktives Musizieren ist für mich nur mehr mit Hilfe der genialen Technik möglich.

Vor allem beim Thema Musik sorge ich oft für Verwunderung und erstaunte Blicke, einhergehend mit Fragen wie z.B: „Wie hört sich Musik für dich an?“ „Kannst du Konzerte eigentlich noch genießen?“ „Erkennst du falsche Töne beim Trompetenspielen“?

Ich möchte deshalb mit diesem und künftigen Blogs versuchen, einige dieser wiederkehrenden Fragen so einfach als möglich zu beantworten: Da normalhörende Menschen es sich sowieso nicht vorstellen können, wie es ist, hörgeschädigt zu sein, sind besonders Musiker, aber auch Hörgeräteträger und Gehörlose sehr daran interessiert, zu verstehen, wie das Musikhören & Musikmachen bei mir „funktioniert“.

Deswegen habe ich auch gleich eine große Bitte an euch: Schreibt mir in die Kommentarfunktion oder per Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! – gerne auch vertraulich!) eure Frage zum Thema „Musikhören & Musikmachen mit Hörstörung!“ und ich werde versuchen, diese entweder direkt oder bei einem meiner nächsten Blogs zu beantworten. Natürlich sind auch Erlebnisberichte & eigene Erfahrungen gerne gesehen. Ich möchte nun mit der am öftesten gestellten Frage beginnen:

„Wie hört sich Musik für dich an, Sebastian?“

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Warum die Kaffeepause für mich keine Pause ist

Jeder kennt es: Eine feine Gesprächsrunde bei Kaffee und Jause mit mehreren Menschen in einem Raum. Viele Themen werden in kurzer Zeit abgesprochen: Witze werden erzählt, Pläne fürs Wochenende werden geschmiedet, Erfahrungen und Informationen werden ausgetauscht.  Locker wird gefachsimpelt, über Interna geplaudert und auch über Vorurteile philosophiert. Die Stimmung ist heiter und offen, das Gesprächsklima freundlich. Es wird gelacht, geschimpft, diskutiert, argumentiert und auch ein wenig geneckt. Oft ist ein Einzelner am Wort und die anderen hören zu, aber es wird auch durcheinander gesprochen. Soweit so gut und auch harmonisch.

Mitten darunter: Ich. Angestrengt und konzentriert versuche ich der Unterhaltungsrunde zu folgen, was mir nicht durchgehend gelingt. Es ist auch eine Geschichte der Tagesverfassung: Mal höre und verstehe ich Einiges, Mal vieles nicht. Ich möchte nicht dumm und begriffsstutzig wirken und den Gesprächsfluss ständig stören – deswegen Frage ich nicht immer nach, wenn ich was nicht höre. Obwohl ich mich unwohl fühle, versuche ich, zumindest nach außen Selbstbewusstsein auszustrahlen und frage mich ständig, ob mir das auch gelingt.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Ich kann mir aussuchen, nichts zu hören!

Vor zwei Jahren war es für mich die schlimmste Vorstellung, gehörlos zu sein. Ich hatte riesen Angst davor und das hatte einen einfachen Grund: Als Musikant hing ich einfach sehr an das wenige Gehör, dass ich noch hatte. Auf links war ich taub, auf rechts mittelgradig-Schwerhörig – und trotzdem war mir dieses „eine-halbe-Ohr“ heilig. Es hat mir ein Leben in der Musik ermöglicht und viele schöne und unvergessliche Erinnerungen geschenkt. Es war 28 Jahre lang mein Wegbegleiter und hat einigermaßen funktioniert und mich durch Ausbildung und Beruf gebracht. Daher weiß ich, dass ich Glück im Unglück hatte.

Meine Meinung zum Thema Gehörlosigkeit hat sich aber in den letzten beiden Jahren auch rapide verändert. Denn trotz der Unannehmlichkeiten, welche die Taubheit so mit sich bringt, habe ich heute mit dem CI einen großen Vorteil: Ich kann mir aussuchen, nichts zu hören! Ja, das ist kein Tippfehler und du hast richtig gelesen! Ich bin in einigen Situationen wirklich froh, gehörlos zu sein. Denn wer kann schon nach einem anstrengenden Tag „das Ohr abnehmen“ und auf der Couch chillen? Wer kann schon im überfüllten Zug das Gehör ausschalten und die Stille genießen? Oder aus aktuellen Anlass: Wer kann zu Sylvester schon im Freien lautlos das Feuerwerk bewundern? Und Hand aufs Herz: Wer wünscht sich nicht manchmal insgeheim, die Nörgelei vom Partner einfach abstellen zu können?

Ja, ich kann das!

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Geschrieben von Isabelle Mandl, M.Sc.

EINHÖRN.

Zurzeit kann man sich dem Einhorn-Hype kaum entziehen. Einhorn-Kekse, Einhorn-Duschgel, ja sogar Einhorn-Toilettenpapier gibt es zu kaufen. Selbstverständlich mit Duft nach Zuckerwatte und viel Glitzer. Ebenso viel Glitzer und Aufmerksamkeit sollte das Wort Einhörn bzw. Einhören erhalten. Als Logopädin, die in der Rehabilitation von PatientInnen mit Cochlea Implantaten arbeitet, sammle ich täglich  Erfahrungen, was für das Hörtraining förderlich und was dafür hinderlich ist.

Förderliche und hinderliche Faktoren für das Hörtraining

Sich selbst zu großen Druck machen und alles verstehen wollen: hinderlich.

Sich selbst Zeit geben, sich erst einmal auf die Hörtrainings-Übung einlassen, sich an den Stimmklang des Sprechers oder der Sprecherin gewöhnen und wertungsfrei die Tonhöhe, die Sprechgeschwindigkeit und die Sprachmelodie wahrnehmen: förderlich.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Auch 2017 hab ich mich einige Male fehrhört – ein Rückblick

Dezember ist nicht nur Weihnachtszeit sondern auch Rückblick-Zeit. Wie schnell 12 Monate eigentlich vorübergehen wird einem vor allem im letzten Monat des Jahres bewusst. Man schaut zurück und man denkt darüber nach, was so alles passiert ist. Wo man überall war, was man so erlebt und getan hat. Welche Menschen man kennenlernen durfte. Man erinnert sich an Situationen, die nicht so toll waren aber auch an Dinge, die dir bis heute noch Kraft schenken.

So auch bei mir:

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Musik machen & Hörbeeinträchtigung – (k)ein Widerspruch?

Auf der Suche nach Informationen zum Thema "Hörbeeinträchtigung und aktives Musizieren" gab und gibt es leider relativ wenig Literatur. Auch Dr. Claus-Jürgen Schulz aus Bad Sachsa, der mich diesbezüglich über meinen Blog kontaktierte, ging es ähnlich wie mir. Gemeinsam beschlossen wir, dies zu ändern und unsere Erfahrungen und Recherchen zum erwähnten Thema in einen praxisorientierten Beitrag niederzuschreiben.

Das Heft "Spektrum Hören" gilt als die führende Quelle an Fachinformationen zum Thema Hörschädigung im deutschsprachigen Raum. Die Redaktion der Zeitschrift zeigte sich sehr interessiert an unserem Vorhaben und engagierte uns für einen Artikel. Das Ergebnis unserer Zusammenarbeit zum Thema "Musik machen & Hörbeeinträchtigung – (k)ein Widerspruch?" ist nun in der aktuellen Ausgabe (Heft 6/2017) zu lesen.

Anhänge:
Diese Datei herunterladen (SH 6-2017 Fehr Schulz.pdf)SH 6-2017 Fehr Schulz.pdf[ ]1189 kB
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Geschrieben von Sebastian Fehr

Eine kleine (Weihnachts-)Geschichte

Vor vielen Jahren gab es einmal 3 Freunde. Brian, Andi und Mark spielten miteinander, seit sie gehen konnten. Da sie alle in einem Reihenhaus am Land aufwuchsen, entstand eine enge Bindung zwischen den Buben und das obwohl Andi gehörlos und Mark CI-Träger war. Man möchte meinen, dass es unter den Dreien ständig kommunikative Probleme gab – das war allerdings nie der Fall. Problemlos spielten Sie miteinander, lachten und stritten sich genauso, wie guthörende Kinder es tun.

Doch wie funktionierte der unkomplizierte Austausch untereinander? 

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Geschrieben von Sebastian Fehr

25 Jahre ÖCIG - Ein Nachbericht zur Veranstaltung

Am 21.10.2017 lud die österreichische Cochlea-Implantat Gesellschaft (kurz ÖCIG, www.oecig.at) mit seinem Präsidenten Herrn Markus Raab zum Symposium im Hörsaal der Uniklinik Salzburg ein. Die Veranstaltung stand ganz unter dem Zeichen des 25-jährigen Bestehen des Vereins und wurde von Herrn Dr. Gerd Rasp (Universitätsklinikum Salzburg) moderiert. Zusammen mit Fr. Dr. Ulrike Stelzhammer (www.aufwiederhoeren.at) und Fr. Rülicke (www.dazugehoeren.com) durfte ich auch einen Vortrag halten.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Gebt den Kindern die Wahl!

Die Technik ist heute so weit fortgeschritten, dass  für ein Großteil der taub geborenen Säuglinge ein Leben in der akustischen Welt möglich werden kann. Während für blind geborene Kinder Farben & Co wohl für immer ein Mysterium bleiben ist das Sprechen, Musizieren oder Radiohören für gehörlos geborene Babys keine Utopie mehr, sondern auf Grund der medizinischen Möglichkeiten realer denn je.

Da allerdings die Entscheidung für oder gegen das sogenannte Cochlea Implantat (Hörprothese)  schon sehr früh erfolgen muss, weil ab dem 4. Lebensjahr die Hörnervenbahnen verkümmern, sind die Eltern in der Pflicht, für das Kind eine Entscheidung zu treffen, welche das restliche Leben des Kindes beeinflussen wird. Besonders schwierig ist diese Entscheidung oft für gehörlose Eltern. Es sei denn, man gibt dem Kind selbst die Wahlmöglichkeit:

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Vom Ende zu wissen....

Heute möchte ich ein Gedicht posten, welches ich wenige Stunden vor meiner CI-Operation auf meinem Smartphone verfasst habe. Genauer gesagt am 06.09.2016, etwa gegen 05:00 Uhr überkamen mich regelrecht die Emotionen. Ich war verzweifelt. Ich wollte mein Gehör nicht verlieren. Doch ich wusste, es ist bald so weit. Ich hatte Angst. Ich war alleine. Die Ungewissheit war groß, es gab kein zurück mehr. Es war vielleicht einer der krassesten Momente im meinem Leben, diese Nacht in der Uniklinik St. Pölten, kurz vor meiner CI Operation. Ich möchte deshalb diese Zeilen nun ungefiltert mit euch teilen - diese zeigen auch, dass ich Angst und Zweifel hatte:

 

Vom Ende zu wissen

Viel schlimmer als ein ungewisses Ende ist es von dem Ende zu wissen.
Denn etwas Unausweichliches ist endgültig und du weißt schon vorher du wirst es vermissen.

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Geschrieben von Annelies Bauer

Ich bin ich.

Kennt ihr dieses Buch?

Es geht in diesem Wunderwerk, um ein Wesen, dass sich nirgends zugehörig fühlt. Ich kannte dieses Buch von Mira Lobe schon vor der Diagnose meiner Schwerhörigkeit, habe es immer und immer wieder durchgesehen und dabei wohl auch lesen gelernt. Während dieser Zeit habe ich( scheinbar) meine Umgebung so wahrgenommen, wie nichthörgeschädigte oder taub geborene Kinder. Als meine Schwerhörigkeit ihre Anfänge hatte, war ich 14 Jahre alt, umgeben von normalhörenden und einer Familie die mich von Beginn an in jeder Lebenslage unterstützte - aber niemand, wirklich niemand konnte mir das Gefühl geben, dazuzugehören.

Im Internet vor 12 Jahren, war für mich kein Ergebnis zu finden, kein Buch auf das ich gestossen bin, kein Eintrag den ich verschlingen hätte und mich dadurch besser fühlen können. Ich habe mich auch für Selbsthilfegruppen nicht begeistern können da ich mich ja noch nirgends zugehörig fühlte, ich war doch ,,normal''! Jegliche Gespräche mit meiner wunderbaren Akustikerin beim Hörgerätefachhandel, beim HNO Doc oder mit Freunden, gaben mir nicht das Gefühl,ich würde von nun an etwas anstreben, jemand werden, jemand sein, mich fühlen so wie ich mich heute eben fühle. Ich steckte fest.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Warum Brille und Hörhilfe sich nicht unähnlich sind

Es ist generell unbekannt dass Hörhilfen – wie die Brille – die Lebensqualität betroffener Menschen sehr erhöhen können. Doch während das Hörgerät in der gesellschaftlichen Wahrnehmung noch eher ein Tabuthema ist, hat sich die Brille als normales Hilfsmittel zur Steigerung der Sehkraft etabliert und gilt schon eher als Mode-Accessoire. Das Hörsystem hingegen wird immer noch als Schwäche ausgelegt, welche unbedingt versteckt werden muss. Aber warum ist das so? Dieser Frage möchte ich auf dem Grund gehen.

Dazu eine kleine Anekdote aus meinem Leben: Neulich durfte ich zusammen mit einem Hörakustiker Vorträge an einer NMS in Tirol halten, wie berichtet. 12 x 50 Minuten hatten wir die Aufgabe den Jugendlichen der Schule das Thema „Hören, Lärmgefahren und Hörhilfen“ näher zu bringen. Dabei erfuhr ich, welche Vielfalt an Charaktere sowohl bei den Kindern als auch bei den Lehrern zusammenkommt. Es war richtig faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich die jungen Menschen auf das Thema reagierten.

Was mir aber extrem aufgefallen ist, war die ungebremste und unvoreingenommene Neugier der jüngsten Schülerinnern und Schülern, sowie die für mich gefühlt eher reservierte Haltung der höheren Schulstufen gegenüber Hörstörungen, frei nach dem Motto: Was anders ist, ist abnormal!

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