fehrhoert
Geschrieben von Sebastian Fehr

Neues CI Outfit: Princess Pink

Der Tiroler Tag des Musikhörens ist Geschichte, daher hab ich jetzt wieder mal Zeit für das Wesentliche meiner Website: Das Bloggen. Wie manche von euch vielleicht auf Social Media gesehen haben, hab ich mich neu eingekleidet. Mein CI ist jetzt nicht mehr beige sondern erstrahlt komplett in Princess Pink. Ich hab auch schon viele Rückmeldungen diesbezüglich bekommen, überraschenderweise sogar mehr wie unmittelbar nach meiner CI Versorgung. Ich hab festgestellt: Das momentane „CI-Outfit“ ist nicht jederman(n)s Sache: Manche finden es lächerlich, manche finden es „schwul“, wieder andere finden es „unpassend“ doch es gibt auch Menschen, die es mutig finden.

Insgesamt find ich es lustig, was so eine kleine Veränderung auslöst: Denn das CI ist ja noch immer das gleiche, ich bin immer noch derselbe und auch mein Hörvermögen ist gleich gut oder schlecht wie vorher: Nur der Anstrich des Hörsystems, dass mich hören lässt, hat sich verändert.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Mit den AusHALLtigen bei Beats of Cochlea - Teil 1

Seit etwa 1 ½ Jahren bin ich Cochlea Implantat Träger und obwohl ich medizinisch taub bin, spiele ich immer noch leidenschaftlich Trompete und Flügelhorn. Aber warum eigentlich? Was treibt mich an? Ich nenne mal 4 Gründe:

1. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass das Musizieren das Sprachverständnis verbessert (es ist also quasi eine Eigen-Therapie)
2. Mir bereitet das Musizieren auch mit CI immer noch unheimlich viel Freude.
3. Meiner Erfahrung nach kann man auch mit CI sehr gut Musik (er)leben – entgegen aller Vorurteile.
4. Irgendwann in Zukunft würde ich gerne bei Beats of Cochlea teilnehmen können, dem einzigen internationalen Musikwettbewerb weltweit, bei welchem gleichgesinnte CI-Musiker aufeinandertreffen.

Letzteres Ziel habe ich nun schneller erreicht, als ich es jemals erwartet hätte: Tatsächlich wurde ich heuer, 18 Monate nach meiner Erstanpassung, mit der Tanzlmusig „Die AusHALLtigen“ zum Event-Ort nach Polen, genauer gesagt Warschau, eingeladen. Als Anfang Juni die endgültige Bestätigung kam, dass wir dort auftreten dürfen, konnte ich es erst gar nicht glauben: Denn immerhin gehen jährlich lt. Veranstalter an die 200 Bewerbungen ein – es gehört schon eine ordentliche Portion Glück dazu, um ausgewählt zu werden.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Vom Glotzen & Trotzen

Lustig ist es in der Bahn –
da glotzen mich oft die Leute an.
Hinschauen wollen sie ja eigentlich nicht,
trotzdem starren sie nicht auf mein Gesicht:

 

Denn hinterm Ohr, da sitzt mein CI –
doch danach Fragen traun‘ sich die Glotzer nie.
Lieber schauen sie immer wieder „unauffällig“ drauf,
das Starren fällt mir trotzdem immer auf.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Von nix kommt nix!?

Viele Menschen, die in ihrem Leben schonmal auf etwas hingearbeitet haben, kennen den Spruch:„Von nix kommt nix!“

Vor allem in der Schule, aber auch von meinen Eltern bekam ich diese Phrase oft zu hören. In erster Linie soll diese Weißheit wohl motivieren, um an seine Grenzen zu gehen und durch Fleiß ein Ziel zu erreichen, was eine gute Sache ist. Auch Hörgeschädigte, welche hoffentlich großteils eine Hörrehabilitation (ambulatn oder stationär) unter professioneller Anleitung durchführen, arbeiten auf ein Ziel hin: Nämlich besser zu hören.

Auch ich nahm mir deswegen oben genannten Spruch als Hörgeschädigter zu Herzen, setzte mir hohe Ziele und absolvierte Hörtrainings, was das Zeug hielt. Wenn ich schon auf eine Hörhilfe angewisen war, wollte ich wenigstens mit meinem Hörsystem/CI top Ergebnisse liefern. Ich übte oft wie ein Besessener mit CD's, Telefon, Softwareprogrammen usw., doch meine Hör- und Silbentests wollten nicht besser werden. Daher war ich anfangs niedergeschlagen und sehr traurig, als die Hörerfolge ausblieben.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Die Demokratie in Gefahr durch offenen Rassismus & Selektion der Medien des BMI

Eigentlich geht es in meinem Blog rund um das Thema „Hören“. Doch manchmal muss ich auch andere Themen anschneiden, weil sie uns alle betreffen. Vor allem wenn der Rechtstaat und seine Verfassung und somit auch unsere Demokratie angegriffen wird, muss man sich als pflichtbewusster österreichischer Staatsbürger auch wehren, denn: „Wenn aus Unrecht Recht wird, ist Widerstand Pflicht“ (Berthold Brecht). Man kann und darf nachfolgende Thematik nicht unkommentiert stehen lassen, denn unreflektierte Propaganda einer politischen Strömung aus einer Machtposition heraus & offener Rassismus haben uns schon mal eine ziemliche Scheiße beschert, welche in den 2. Weltkrieg mündeten:
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Geschrieben von Sebastian Fehr

Warum „passt schon“ eben nicht passt

Ist nicht so wichtig!“, „Passt schon.“, „Hat sich erledigt!“ – das sind alles Halbsätze, welche wohl jeder schwerhörige Mensch kennt. Oft hört man diese Worte, wenn man bei einer Unterhaltung wesentliche Dinge akustisch nicht verstanden hat und deswegen zweimal oder sogar dreimal nachfragen muss. Je nach Laune, Geduld und Gutmütigkeit der Gesprächspartner wird dann das gesagte wiederholt – oder eben einer dieser eingangs erwähnten Halbsätze findet Verwendung.


Dieses Verhalten ist oft nicht böse gemeint und für die/den Absender/in keine große Sache, stellt aber alles andere als eine Kommunikation auf Augenhöhe dar. Welche Auswirkungen diese Worte bei schwerhörige, angestrengt zuhörende Gesprächspartner haben, wird dabei nicht bedacht: Betroffene schämen sich durch diese Halbsätze umso mehr für ihre Hörschädigung und den damit verbundenen Defiziten in der Kommunikation und fühlen sich minderwertig, nicht gut genug und auch irgendwie diskriminiert. Sie denken: „Ich bin nicht wichtig genug, dass das gesagte wiederholt wird“, „ich gehöre nicht dazu“, „ich gehe meinem gegenüber auf die Nerven, deswegen wiederholt er das gesagte nicht“, „ich bin unwichtig“, und so weiter. Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind am Boden, man fühlt sich als Mensch zweiter Klasse. Auf Dauer kann dies durchaus ernste psychologische Konsequenzen haben.

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© Parlamentsdirektion
Geschrieben von Sebastian Fehr

Streichung der erhöhten Familienbeihilfe von Menschen mit Behinderung: Eine Recherche

Vorab gilt: Menschen mit Behinderung gehören von der Politik und der Gesellschaft in die Mitte genommen und unterstützt. Daher ist prinzipiell jede Maßnahme, welche eine Verschlechterung für Familien von Menschen mit Behinderung bedeutet, rigoros abzulehnen. Im Gegenteil: Es bräuchte sogar wesentlich mehr finanzielle Hilfen und Maßnahmen um die Belastungen Betroffener abzufedern.

Der Aufschrei letzten Montag war daher entsprechend groß: Völlig unerwartet wurde offensichtlich die Familienbeihilfe für Menschen gestrichen, deren Lebensunterhalt überwiegend durch die öffentliche Hand sichergestellt ist: „Weniger Beihilfe für Behinderte: Reparatur angekündigt“ titelt etwa orf.at, oder „Finanzämter erkennen erhöhte Familienbeihilfe ab“ schrieb z.B. die „Kleine Zeitung“. Eine Erklärung der Familienministerin Juliane Bogner-Strauß ließ nicht lange auf sich warten, sie stellte sich sofort auf die Seite der Behinderten: „Wir lassen das so nicht zu. Eine Schlechterstellung von behinderten Kindern wird es mit uns nicht geben. Wir arbeiten intensiv an einer raschen Reparatur des Gesetzes“ druckte etwa „HEUTE“

Auch die anderen Parteien hatten zu der Causa was zu sagen, wie etwa SPÖ oder die Grünen.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Der Tag, an dem mein Leben (eigentlich) endete

Ich möchte euch heute die Geschichte meines letzten Hörsturzes erzählen. Eigentlich möchte ich euch die Geschichte nicht erzählen, sondern ich will, dass ihr euch hinein versetzt, es selbst fiktiv erlebt und versucht, es nachzufühlen. Nur ansatzweise. Vielleicht ist es klug, wenn ihr vorab in das Stück rein hört, bei welchem das Unglück passiert ist. Dann kommt mein Erlebnisbericht – welcher in mittelfristiger Zukunft auch ausführlicher in Buchform veröffentlicht werden soll –  auch lebhafter rüber:

Ich möchte euch nun auf eine Reise zu einem Blasmusikwettbewerb nach Italien mitnehmen, wo mein altes Leben endete:

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Erinnerungssplitter von DAMALS und wie ich HEUTE reagieren würde:

DAMALS:
 
Szene in der Hauptschule. Matheunterricht. Ich stehe an der Tafel und mir wird eine Rechenaufgabe diktiert:
 
„Sag mal, hörst du schlecht?“ fragt der Mathelehrer spöttisch und fast schreiend, nachdem ich zum wiederholten Male nachfragen musste, ob er drei oder zwei gesagt hatte.
 
Ich schäme mich und schweige.
 
Mitschüler: „De terrische Kapelln“ (Übersetzung Hochdeutsch: „Die taube Nuss!“)
 
Gelächter in der Klasse.
 
HEUTE:
 
Szene in der Hauptschule. Matheunterricht. Ich stehe an der Tafel und mir wird eine Rechenaufgabe diktiert:
 
„Sag mal, hörst du schlecht?“ fragt der Mathelehrer spöttisch und fast schreiend, nachdem ich zum wiederholten Male nachfragen musste, ob er drei oder zwei gesagt hattte.
 
Ich: „Ja, und es wär schön, wenn Sie ohne Geschrei endlich Rücksicht darauf nehmen würden!“
 
DAMALS:
 
Szene in der Hauptschule. Deutschunterricht, Diktat: Die Lehrerin stolziert in der Klasse umher und diktiert einen 8 Sätze langen Text....
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Geschrieben von Sebastian Fehr

Die Rolle des Gehirns in der (Musik-)Hörwahrnehmung

Wissenschaftliche Studien und Forschungen bezüglich der Wahrnehmung von Musik hörbeeinträchtigter Menschen, insbesondere von aktiv musizierenden Betroffenen, gibt es leider kaum. Vereinzelt findet sich jedoch zumindest Literatur, welche von Experten oder hörbeeinträchtigten Menschen verfasst wurde. Einige Informationen daraus bildeten die Basis dieses Beitrages von Sebastian Fehr, welcher sich mit mehreren Grundlagen der (Musik-)Hörwahrnehmung befasst, von denen speziell die zentrale Rolle des Gehirnes oft übersehen wird. Vor allem soll aber aufgezeigt werden: Die Thematik lebt, fasziniert und beschäftigt international Ärzte, Fachpersonal sowie Patienten gleichermaßen.

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum!“ (Nietzsche, 1889). Zu dieser Schlussfolgerung kam schon Friedrich Nietzsche, welche ich als Musiker, aber auch als von Geburt an hörbeeinträchtigte Person uneingeschränkt teile. Es ist gleichgültig, wie gut oder schlecht jemand hören kann und egal ob jemand mit Hörgeräten beziehungsweise Cochlea-Implantaten (CI) versorgt oder gar gehörlos ist: Musik kann uns alle berühren.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Mit den AusHALLtigen bei Beats of Cochlea: Teil 1I

Montag:

....wer sich nun gedacht hätte, das wir uns von der langen Fahrt erholen hätten können: Fehlanzeige. Wir checkten ein und erkundeten unsere sehr sauberen und großzügigen Zimmer. Um 9 Uhr fand dann ein „Hearing“ im Hotelfoyer statt, bei welchen die einzelnen Programmpunkte für die ganze Woche präsentiert wurden (wir fanden es übrigens lustig, dass der erste Programmpunkt „Hearing“ lautete – immerhin sind wir auf einen Event für meist gehörlose Musiker).  Wir wurden darüber informiert, dass ab 12 Uhr der Sound-Check für das Jury-Vorspiel stattfinden würde und das eigentliche Probespiel ab 16 Uhr startet. Da ich vom Koffein und Zuckercocktail noch ganz betäubt war – immerhin war ich von Tirol nach Warschau dank Red Bull & Kaffee 11 Stunden durchgefahren – war für mich an ein Vormittagsschläfchen nicht zu denken. Außerdem stieg jetzt auch – sofern noch möglich –  mein Adrenalinpegel und die Nervosität, da wir ja am Nachmittag vor einer hochkarätig besetzten Jury mit Musikern & Promis aus Polen bestehen mussten. Daher beschlossen wir, den Schlaf in der Nacht nachzuholen, zogen unsere Tracht inkl. Lederhose an, setzten uns auf die Hotelterrasse und begannen zu musizieren:

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Dabei ernteten wir einige neugierige Blicke von Passanten und anderen Teilnehmern, die aber an diesem Tag wohl zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren, um uns zu lauschen. Aber das sollte sich im Laufe der Woche ja noch ändern.

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Geschrieben von Sebastian Fehr

Buch-, Projekt- & Veranstaltungstipps zum Thema (Musik-)Hörwahrnehmung

Buch-, Projekt- & Veranstaltungstipps zum Thema (Musik-)Hörwahrnehmung

Im aktuellen „Spektrum Hören“ habe ich einen Beitrag mit dem Titel „Die Rolle des Gehirns in der (Musik-) Hörwahrnehmung“ recherchiert und erarbeitet (Information folgt bald auf fehrhoert.com). Darin beschreibe ich vor allem den Hörvorgang und die Vorteile, welche das aktiven Musizieren dem Menschen bietet.

In meiner Recherchearbeit zu diesem Artikel bin ich vor allem über nachfolgende, wie ich finde sehr informative Literatur gestolpert, welche meiner Meinung nach nicht nur für hörgeschädigte Menschen interessant sind:

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